Samstag, 14. Oktober 2017

Ausflug nach Commewijne, Fort Nieuw Amsterdam und die Zucker- und Rumfabrik Marienburg

Das Fort Nieuw Amsterdam an der Gabelung der beiden Flüsse Commewijne und Suriname River
Angelika scheint hier nur begeistert zu sein. Vom alten Fort sind nur ein paar Kanonen übrig geblieben, ansonsten hat die Natur sich hier wieder üppig ausgebreitet
In der Tat, not sooo much to see ....
Leichtmatrose versucht schweres Kaliber zu bewegen
Anschließend Besuch der ehemaligen Zuckerfabrik Marienburg
Dank unseres Führer Bembo, einem ehemaligen Arbeiter, erfahren wir alle Details. Hier zum Beispiel standen die großen Tanks, leider wurde aber alles Eisen abgebaut und als Schrott verkauft. Die Fabrik galt damals (1882) technisch als sehr fortschrittlich
Ein Baum wächst auf dem Dach, die Halle darunter ist leer und leider ziemlich zugemüllt
Diese Teile widerstanden dem Abtransport. Es gab drei Dampfmaschinen, die mit Dampf aus einem nahe gelegenen Kesselhaus versorgt wurden. Jo erinnert sich seiner Tage als Maschinenbaustudent und ist von der guten alten Technik begeistert
Die Halle, in der auf 3 Mühlen das Zuckerrohr zerquetscht wurde, muss Besucher sich heute vorstellen. Unser Führer hat eine Broschüre bei sich, eine Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Fabrik, in der viele alte und natürlich interessante Abbildungen zu sehen sind. Und für Euch gibt es ja das gute Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Marienburg_(Suriname)
Geliefert aus Amsterdam um 1821
Die mächtigen Gussteile sind geschickt zusammengefügt, es musste ja alles per Seeweg und später mit einer kleinen Eisenbahn an Ort und Stelle transportiert werden
Unser Führer Bembo und Jo als Größenverleich zur Anlage. Bembos Vorfahren stammen aus Java, er ist Kindeskind der ersten Kontraktarbeiter aus Java. Hierzu Infos in der Festschrift über Marienburg. Die Kontraktarbeiter waren notwendig, nachdem die Sklaverei abgeschafft worden war (1863). Ein Mann verdiente 60 Cent, eine Frau 40 Cent pro Tag, die Verträge liefen über 5 Jahre, oft wussten die Menschen aus Java oder Indien gar nicht, wohin sie gebracht wurden, siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Hindustanen
Auf dieser Drehbank wurden die Walzen einmal pro Jahr überholt
Die Lager mit ihren Einsätzen spezieller Legierungen, heute würden Kugellager verwendet werden. Der obere Teil konnte zu Geld gemacht werden
Die Laufschiene des Dampfmaschinenstößels
Hier wurde der Dampf erzeugt, dazu wurde das zerquetschte, entsaftete Zuckerrohr verwendet
Aus Deutschland, eine dieselelektrische Lok aus Bremen
SCHOEMA gibt es heute noch an gleicher Stelle in Diepholz, mit bewegter Geschichte, vermute ich mal 

Das Herrenhaus des ersten Besitzers, er wurde bei einem Aufstand dahingemeuchelt. Nun verfällt sein Anwesen, da der Nachfolger sich ein weiteres Haus bauen ließ. Neben den beiden Häusern gibt es noch einen ehemaligen Offiziersclub, in dem sich die "höheren" Mitarbeiter der Plantage/Fabrik versammelten und feierten. Die "niederen" Arbeiter durften nur dorthin, wenn sie von ihrem jeweiligen Chef mitgenommen wurden. Heute wird der Offiziersclub als Versammlungsort von verschiedenen örtliche Organisationen genutzt. Die Arbeiter und Arbeiterinnen wohnten gegenüber der Plantage auf der anderen Straßenseite. Als die Fabrik 1986 geschlossen wurde, durften diese immerhin in ihren Häusern bleiben
Überall Bienen, vor denen uns Bembo immer wieder eindringlich warnt. In Fredriksdorp wird Jo später von einer solchen Biene gestochen und hat zum Glück überlebt
100 Jahre alter Baum
Denkmal für die Kontraktarbeitetraus Indonesien (Java)
Hier wird die Reise-Route dargestellt, die von Indonesien über das Mittelmeer zunächst nach Holland führte, von dort dann wurden die Menschen nach Suriname gebracht
Das Mahnmal für den blutigen Aufstand der Arbeiter gegen die schlechten Arbeitsbediungen (1902)

Freitag, 13. Oktober 2017

Suriname River und Paramaribo


Diesmal ein Sonnenaufgang - Angelika liebt es, diese täglichen Ereignisse zu dokumentieren 😉
Unser erster Blick auf Parmaribo, die Hauptstadt von Suriname am Suriname River. Hier leben etwa 260.000 Menschen, knapp die Hälfte der Einwohner Surinames. Die Kirchtürme gehören zur berühmten St. Petrus-und-Paulus-Kathedrale, die vollständig aus Holz gebaut ist und die größte in ganz Südamerika ist
Wieder ein Wrack! Dies ist die "Goslar", ein Handelsschiff, sie wurde von ihrer deutschen Besatzung zu Beginn des zweiten Weltkrieges versenkt. Man schaffte einen großen Teil der Ladung auf eine Seite, dann öffnete die Crew die Seeventile, so legte sich das Schiff auf die Seite. Die Besatzung wurde bis Ende des Weltkrieges inhaftiert - und überlebte dadurch

Aus Wikipedia: Nachdem am 10. Mai 1940 deutsche Truppen die Niederlande überfallen hatten, wurden noch am selben Tag in Suriname alle männlichen Deutschen im Alter von mehr als fünfzehn Jahren durch das Gouvernement verhaftet. Ende Mai wurden dann auch die Frauen und Kinder interniert, die zunächst für rund zwei Monate auf der Plantage Marienburg im alten und zu dieser Zeit nicht mehr betriebenen Hospital untergebracht wurden. Ab Mai 1941, bis zu ihrer Abschiebung im Februar 1947, waren alle rund 150 Deutschen in der Nähe von Lelydorp interniert
Die Wijdenbosch-Brücke über den Suriname River, die einzige Verbindung für Autos nach Osten
In der Mitte passen wir gut unter der Brücke hindurch mit unseren 19 Metern Masthöhe
Noch eine Holzkirche
Typisches Unwetter voraus
Und hier sind wir per Mietwagen nach Paramaribo unterwegs. Wir liegen an einer Mooring in der Marina Domburg, wo wir uns und die Magic Cloud anmelden, aber alle anderen Formalitäten müssen wir in Paramaribo erledigen: 1. MAS, Marine Authority Suriname. Mit MAS hatten wir schon per Funk Kontakt, als wir im Suriname River angekommen waren, aber natürlich wollen sie uns, unsere Papiere und die des Schiffes sehen. 2. Visum bzw. TouristCard im Office for Consular Affairs beantragen, kostet 30 EUR pro Person. 3. Immigration bei der Military Police, die uns den Stempel in den Pass setzt. Wir werden zum Glück im Vorfeld darauf hingewiesen, dass wir bitte "ordentlich" gekleidet bei den Behörden erscheinen müssen: keine kurzen Hosen, geschlossene Schuhe, keine nackten Schultern ... Das war am Ende ein doppelt verschwitzer Tag! - Zum Foto: Natürlich sehen nicht alle Straßen aus wie diese hier! Aber gleich zu Beginn unserer Fahrt war die Hauptstraße gesperrt, und dies war die Umleitung zum Highway ...
Die berühmte und hübsche niederländische Kolonial-Architektur, 2 1/2-etagige Holzhäuser mit Balkonvorbauten in der gesamten Altstadt, wurde zum Weltkulturerbe erklärt
Leider sind längst nicht alle dieser Häuser gut erhalten. Uns fiel auf, das vor allem die Häuser im Besitz von staatlichen oder städtischen Institutionen sehr verfallen aussehen, wie z.B. hier das Haus des Justiz- und Polizeiministeriums
Etwas besser erhalten das Haus, in dem die Military Police untergebracht ist
Und hier ist sie nun in voller Größe, die St. Peter-und Paul-Kathedrale, ganz aus Holz


Und noch einmal von außen in ihrer vollen Pracht
Auf dem Rückweg werden wir wieder vom Regen überrascht. Auch dies ist nicht der Highway, sondern nur eine Nebenstraße. Aber trotzdem - die Straßenverhältnisse hier sind völlig andere als in Europa!